SH2-216

ist ein außergewöhnlicher planetarischer Nebel im Sternbild Perseus…

SH2-216

…und zählt in mehrfacher Hinsicht zu den Extremobjekten des Deep-Sky-Himmels. Mit einer Entfernung von nur rund 420 Lichtjahren gilt er als der nächstgelegene bekannte planetarische Nebel. Gleichzeitig ist er aufgrund seines hohen Alters einer der größten seiner Art: Sein physikalischer Durchmesser beträgt etwa 12 Lichtjahre, was einer scheinbaren Ausdehnung von rund 1,6 Grad beziehungsweise 100 Bogenminuten entspricht – mehr als dem dreifachen Durchmesser des Vollmonds.

Entstanden ist SH2-216 vor etwa 300.000 Jahren, als ein sonnenähnlicher Stern am Ende seiner Entwicklung seine äußeren Hüllen ins All abstieß. Zurück blieb ein heißer Weißer Zwerg als Zentralstern, dessen energiereiche Strahlung das expandierende Gas heute nur noch schwach zum Leuchten anregt. Der Zentralstern besitzt etwa 55 % der Sonnenmasse, eine Oberflächentemperatur von rund 95.000 Kelvin und gehört zur Spektralklasse DAO. Aufgrund seiner Eigenbewegung befindet er sich nicht mehr im geometrischen Zentrum des Nebels – ein deutlicher Hinweis auf das hohe Alter des Systems.

Spektroskopische Untersuchungen zeigen eine extrem geringe Expansionsgeschwindigkeit von unter 4 km/s, was darauf hindeutet, dass die Ausdehnung des Nebels durch die Wechselwirkung mit dem interstellaren Medium nahezu zum Stillstand gekommen ist. Moderne Parallaxenmessungen, insbesondere durch die Gaia-Mission, ermöglichten eine sehr präzise Entfernungsbestimmung von etwa 128–129 Parsec und bestätigten SH2-216 als einen der ältesten bekannten planetarischen Nebel.

Wissenschaftlich ist SH2-216 besonders interessant, da seine Nähe detaillierte Einblicke in die Spätphase sonnenähnlicher Sterne sowie in die Wechselwirkung alter planetarischer Nebel mit der umgebenden interstellaren Materie erlaubt. Die Emission erfolgt überwiegend in den Linien von , OIII und SII, was ihn zu einem klassischen Objekt für die Schmalband-Astrofotografie macht.

Visuell ist SH2-216 selbst mit großen Amateurteleskopen praktisch nicht wahrnehmbar. Erst lange fotografische Belichtungen unter sehr dunklem Himmel machen den Nebel sichtbar. Schmalbandfilter – allen voran – sind nahezu unverzichtbar, und Gesamtbelichtungszeiten von vielen Stunden sind eher die Regel als die Ausnahme.

Da sich SH2-216 weit im Norden befindet, ist er von Mitteleuropa aus zirkumpolar und grundsätzlich ganzjährig erreichbar. Die besten Bedingungen bieten jedoch Herbst und Winter, wenn Perseus hoch am Himmel steht und lange, dunkle Nächte zur Verfügung stehen.

Kurz gesagt: SH2-216 ist kein heller Show-Nebel, sondern ein äußerst subtiles und anspruchsvolles Astrofoto-Objekt. Seine enorme Größe, extreme Lichtschwäche und sein fortgeschrittenes Alter machen ihn zu einer besonderen Herausforderung – und zugleich zu einem faszinierenden Ziel für erfahrene Astrofotografen, die Geduld, dunklen Himmel und viele Stunden Belichtungszeit investieren möchten.

Aufnahmedaten:

Objekt:SH2-216 · LBN 742 · LBN 744 · PGC 15728 · PGC 168585 · PGC 2276003 · PGC 2798797 · PGC 2798801 · PGC 2798804 · PGC 2798807 · PGC 3094748
Aufnahmedatum:Dezember 2025
Kamera:QHY268m
Kalibrierung:BIAS · Flats
Montierung:Skywatcher EQ6-R PRO
Teleskop:OCAL H2
Korrektor:OCAL Korrektor
Filter:Antlia RGB-V Pro
Antlia 3nm Pro H-Alpha
Antlia 3nm Pro O-III
Antlia 3nm Pro S-II
Belichtung:RGB jeweils 40 x 120 Sek. / Gain 0 bei -15 °C
H-Alpha: 86 x 600 Sek. / Gain 56 bei -15 °C
O-III: 102 x 600 Sek. / Gain 56 bei -15 °C
S-II: 85 x 600 Sek. / Gain 56 bei -15 °C
Gesamt: 49,5 Std.
Guiding:QHY OAG mit QHY5III678M und PHD2
Software:SGP · PixInsight · Photoshop

 

SH2-216 beschriftet
SH2-216 beschriftet

 

SH2-216 – ionisierte Wasserstoff Linie – Sterne wurden entfernt
SH2-216 – ionisierte Wasserstoff Linie – Sterne wurden entfernt

 

SH2-216 – ionisierte Schwefel Linie – Sterne wurden entfernt
SH2-216 – ionisierte Schwefel Linie – Sterne wurden entfernt

 

SH2-216 – ionisierte Sauerstoff Linie – Sterne wurden entfernt
SH2-216 – ionisierte Sauerstoff Linie – Sterne wurden entfernt