VdB 123 – Blaues Licht im Staub der Schlange
ist ein Reflexionsnebel im Sternbild Schlange…
…Er gehört zum Katalog des Astronomen Sidney van den Bergh, der 1966 insgesamt 158 Reflexionsnebel auf Grundlage des Palomar Sky Survey zusammenstellte.
Meine Aufnahme zeigt eine vielschichtige Nebellandschaft im Sternbild Schlange, genauer im Schlangenschwanz (Serpens Cauda). Die zentrale Sternentstehungsregion der Serpens-Molekülwolke liegt rund 1.400 Lichtjahre entfernt. Dunkelnebel wie LDN 571/572, LDN 575 und LDN 578 verdecken mit ihrem Staub das Licht dahinterliegender Sterne. In ihren dichtesten Bereichen kann Gas unter der eigenen Schwerkraft zusammenfallen und neue Sterne bilden.
Im oberen rechten Bildbereich liegt der blaue Reflexionsnebel vdB 123. Sein Staub streut das Licht des Sterns HD 170634, wobei blaues Licht stärker gestreut wird als rotes. Benachbart liegen die hellen Nebelbereiche LBN 96, 97 und 98. Auch der kleine orangefarbene Serpens-Reflexionsnebel nahe vdB 123 leuchtet durch gestreutes Sternlicht; seine Lichtquelle ist der junge Stern SVS 2.
Die zahlreichen Herbig-Haro-Objekte, etwa HH 106/107, HH 455, HH 459 und HH 476, verraten die Aktivität junger Sterne. Sie entstehen, wenn deren Gasstrahlen auf die Umgebung treffen und Stoßwellen das Gas zum Leuchten bringen. Die MHO-Bezeichnungen markieren Ausflussstrukturen mit Emission von molekularem Wasserstoff im nahen Infrarot. Ihre Katalogpositionen bedeuten daher nicht automatisch, dass sie im sichtbaren Licht dieser Aufnahme erkennbar sind.
Das James-Webb-Weltraumteleskop entdeckte 2024 im Serpens-Kerngebiet eine Gruppe ähnlich ausgerichteter Ausflüsse – ein Hinweis darauf, dass junge Sterne die Drehrichtung ihrer gemeinsamen Ursprungswolke übernehmen können. Eine Studie von 2026 fand im größeren Serpens-Aquila-Gebiet 88 neue HH-Objekte, darunter mehrere der hier beschrifteten kleinen Nebel.
Im unteren Bildbereich fällt Sh2-68 auf, auch als PK 030+06.1 und LBN 93 katalogisiert. Er wird als alter planetarischer Nebel eingeordnet: Ein heißer Sternrest regt abgestoßenes Gas zum Leuchten an. Seine ungewöhnliche Form und sein langer Schweif werden durch die Wechselwirkung mit dem umgebenden interstellaren Gas erklärt. Der ebenfalls markierte PK 031+05.1 ist ein weiterer, deutlich kleinerer planetarischer Nebel namens K 3-3.
Die Markierungen 59 Ser A und B gehören zu einem Mehrfachsternsystem. Die unscheinbaren PGC-Objekte kennzeichnen weit im Hintergrund liegende Galaxien.

Aufnahmedaten:
| Objekt: | VdB 123 · SH2-68 ·LDN 570 · LDN 575 · LDN 573 · LBN 93 · LBN 96 · LBN 97 · LBN 98 · LDN 571 · LDN 572 · LDN 576 · LDN 578 · LDN 592 |
| Aufnahmedatum: | September 2026 |
| Kamera: | QHY268m |
| Kalibrierung: | BIAS · Flats |
| Montierung: | Twinstar FG80 |
| Teleskop: | 6″ Hypergraph 420mm f/2.8 |
| Korrektor: | SharpStar |
| Filter: | Antlia LRGB Dark Series Antlia 3nm Pro Highspeed H-Alpha |
| Belichtung: | RGB jeweils 45 x 120 Sek. / Gain 0 bei -15 °C Luminanz: 100 x 75 Sek. / Gain 0 bei -15 °C H-Alpha: 8 x 600 Sek. / Gain 56 bei -15 °C Gesamt: 31,1 Std. |
| Guiding: | QHY OAG mit QHY5III585M und PHD2 |
| Software: | SGP · PixInsight · Photoshop CC |
